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2. Abschnitt
Organentnahme bei toten Organspendern
§ 3 Organentnahme mit Einwilligung des Organspenders
(1) Die Entnahme von Organen ist, soweit in § 4
nichts Abweichendes bestimmt ist, nur zulässig, wenn der Organspender
in die Entnahme eingewilligt hatte, der Tod des Organspenders nach Regeln,
die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen,
festgestellt ist und der Eingriff durch einen Arzt vorgenommen wird.
(2) Die Entnahme von Organen ist unzulässig, wenn die Person, deren
Tod festgestellt ist, der Organentnahme widersprochen hatte, nicht vor der
Entnahme bei dem Organspender der endgültige, nicht behebbare Ausfall
der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms
nach Verfahrensregeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen
Wissenschaft entsprechen, festgestellt ist.
(3) Der Arzt hat den nächsten Angehörigen des Organspenders über
die beabsichtigte Organentnahme zu unterrichten. Er hat Ablauf und Umfang
der Organentnahme aufzuzeichnen. Der nächste Angehörige hat das
Recht auf Einsichtnahme. Er kann eine Person seines Vertrauens hinzuziehen.
§ 4 Organentnahme mit Zustimmung anderer Personen
(1) Liegt dem Arzt, der die Organentnahme vornehmen soll,
weder eine schriftliche Einwilligung noch ein schriftlicher Widerspruch
des möglichen Organspenders vor, ist dessen nächster Angehöriger
zu befragen, ob ihm von diesem eine Erklärung zur Organspende bekannt
ist. Ist auch dem Angehörigen eine solche Erklärung nicht bekannt,
so ist die Entnahme unter den Voraussetzungen des § 3 Abs. 1 Nr. 2
und 3 und Abs. 2 nur zulässig, wenn ein Arzt den Angehörigen über
eine in Frage kommende Organentnahme unterrichtet und dieser ihr zugestimmt
hat. Der Angehörige hat bei seiner Entscheidung einen mutmaßlichen
Willen des möglichen Organspenders zu beachten. Der Arzt hat den Angehörigen
hierauf hinzuweisen. Der Angehörige kann mit dem Arzt vereinbaren,
daß er seine Erklärung innerhalb einer bestimmten, vereinbarten
Frist widerrufen kann.
(2) Nächste Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind in der Rangfolge
ihrer Aufzählung
| 1. |
Ehegatte, |
| 2. |
volljährige Kinder, |
| 3. |
Eltern oder, sofern der mögliche Organspender
zur Todeszeit minderjährig war und die Sorge für seine Person
zu dieser Zeit nur einem Elternteil, einem Vor mund oder einem Pfleger
zustand, dieser Sorgeinhaber, |
| 4. |
volljährige Geschwister |
| 5. |
Großeltern |
Der nächste Angehörige ist nur dann zu einer
Entscheidung nach Absatz 1 befugt, wenn er in den letzten zwei Jahren vor
dem Tod des möglichen Organspenders zu diesem persönlichen Kontakt
hatte. Der Arzt hat dies durch Befragung des Angehörigen festzustellen.
Bei mehreren gleichrangigen Angehörigen genügt es, wenn einer
von ihnen nach Absatz 1 beteiligt wird und eine Entscheidung trifft; es
ist jedoch der Widerspruch eines jeden von ihnen beachtlich. Ist ein vorrangiger
Angehöriger innerhalb angemessener Zeit nicht erreichbar, genügt
die Beteiligung und Entscheidung des nächsterreichbaren nachrangigen
Angehörigen. Dem nächsten Angehörigen steht eine volljährige
Person gleich, die dem möglichen Organspender bis zu seinem Tode in
besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahegestanden hat;
sie tritt neben den nächsten Angehörigen.
(3) Hatte der mögliche Organspender die Entscheidung über eine
Organentnahme einer bestimmten Person übertragen, tritt diese an die
Stelle des nächsten Angehörigen.
(4) Der Arzt hat Ablauf, Inhalt und Ergebnis der Beteiligung der Angehörigen
sowie der Personen nach Absatz 2 Satz 6 und Absatz 3 aufzuzeichnen. Die
Personen nach den Absätzen 2 und 3 haben das Recht auf insichtnahme.
Eine Vereinbarung nach Absatz 1 Satz 5 bedarf der Schriftform.
§ 5 Nachweisverfahren
(1) Die Feststellungen nach § 3 Abs. 1 Nr. 2 und
Abs. 2 Nr. 2 sind jeweils durch zwei dafür qualifizierte Ärzte
zu treffen, die den Organspender unabhängig voneinander untersucht
haben. Abweichend von Satz 1 genügt zur Feststellung nach § 3
Abs. 1 Nr. 2 die Untersuchung und Feststellung durch einen Arzt, wenn der
endgültige, nicht behebbare Stillstand von Herz und Kreislauf eingetreten
ist und seitdem mehr als drei Stunden vergangen sind.
(2) Die an den Untersuchungen nach Absatz 1 beteiligten Ärzte dürfen
weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe des Organspenders
beteiligt sein. Sie dürfen auch nicht Weisungen eines Arztes unterstehen,
der an diesen Maßnahmen beteiligt ist. Die Feststellung der Untersuchungsergebnisse
und ihr Zeitpunkt sind von den Ärzten unter Angabe der zugrundeliegenden
Untersuchungsbefunde jeweils in einer Niederschrift aufzuzeichnen und zu
unterschreiben. Dem nächsten Angehörigen sowie den Personen nach
§ 4 Abs. 2 Satz 6 und Abs. 3 ist Gelegenheit zur Einsichtnahme zu geben.
Sie können eine Person ihres Vertrauens hinzuziehen.
§ 6 Achtung der Würde des Organspenders
(1) Die Organentnahme und alle mit ihr zusammenhängenden
Maßnahmen müssen unter Achtung der Würde des Organspenders
in einer der ärztlichen Sorgfaltspflicht entsprechenden Weise durchgeführt
werden.
(2) Der Leichnam des Organspenders muß in würdigem Zustand zur
Bestattung übergeben werden. Zuvor ist dem nächsten Angehörigen
Gelegenheit zu geben, den Leichnam zu sehen.
§ 7 Auskunftspflicht
(1) Dem Arzt, der eine Organentnahme bei einem möglichen
Spender nach § 3 oder § 4 beabsichtigt, oder der von der Koordinierungsstelle
(§ 11) beauftragten Person ist auf Verlangen Auskunft zu erteilen,
soweit dies zur Feststellung, ob die Organentnahme nach diesen Vorschriften
zulässig ist und ob ihr medizinische Gründe entgegenstehen, sowie
zur Unterrichtung nach § 3 Abs. 3 Satz 1 erforderlich ist. Der Arzt
muß in einem Krankenhaus tätig sein, das nach § 108 des
Fünften Buches Sozialgesetzbuch oder nach anderen gesetzlichen Bestimmungen
für die Übertragung der Organe, deren Entnahme er beabsichtigt,
zugelassen ist oder mit einem solchen Krankenhaus zum Zwecke der Entnahme
dieser Organe zusammenarbeitet. Die Auskunft soll für alle Organe,
deren Entnahme beabsichtigt ist, zusammen eingeholt werden. Die Auskunft
darf erst erteilt werden, nachdem der Tod des möglichen Organspenders
gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 2 festgestellt ist.
(2) Zur Auskunft verpflichtet sind Ärzte, die den möglichen Organspender
wegen einer dem Tode vorausgegangenen Erkrankung behandelt hatten, Ärzte,
die über den möglichen Organspender eine Auskunft aus dem Organspenderegister
nach § 2 Abs. 4 erhalten haben, der Arzt, der bei dem möglichen
Organspender die Leichenschau vorgenommen hat, die Behörde, in deren
Gewahrsam sich der Leichnam des möglichen Organspenders befindet, und
die von der Koordinierungsstelle beauftragte Person, soweit sie nach Absatz
1 Auskunft erhalten hat. |
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